So rüsten Sie Ihr Haus gegen Einbrecher

dpa/Achim Scheidemann: Höchster Stand bei Wohnungseinbrüchen seit sechs Jahren.

Die Zahl der Einbrüche in Deutschlands Häusern und Wohnungen steigt dramatisch. Doch mit moderner Sicherheitstechnik und vorausschauendem Verhalten lässt sich die Gefahr eindämmen. FOCUS Online stellt die wichtigsten Tipps für einen effektiven Einbruchschutz vor.

  • Checken Sie die Schwachstellen am Haus.
  • Beugen Sie Einbrüchen vor, besonders zur Urlaubszeit.
  • Mechanische Sicherungen und Alarmanlagen schaffen den wirkvollsten Schutz.
  • Wer unvorsichtig ist, gefährdet seinen Versicherungsschutz.

Alle vier Minuten steigt irgendwo in Deutschland ein Dieb in ein Haus oder eine Wohnung ein. Erst kürzlich meldete die Polizei: Die Zahl der Einbrecher hat einen Rekordwert erreicht. 152.000 Einbrüche wurden im vergangenen Jahr bei der Polizei gemeldet – der höchste Stand seit 15 Jahren.

Geht es um den Schutz vor solchen Straftaten, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Das absolut einbruchssichere Haus gibt es nicht. Die gute: „Die Bewohner können vorbeugend sehr viel tun, um den Verbrechern den Weg ins Haus so beschwerlich wie möglich zu machen“, beruhigt Harald Schmidt, Kriminalrat bei der Polizei für Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

 

Nach fünf Minuten bricht der Täter ab

Eine repräsentative Studie der nordrhein-westfälischen Polizei kam zu dem Ergebnis, dass in 42 Prozent der Fälle der Einbruch lediglich als Versuch endet. Bei fast jedem zweiten Einbruchsversuch (43 Prozent) scheiterten die Täter an Sicherungseinrichtungen.

Mit diesem Trick knacken Einbrecher geräuschlos Ihre Haustür

Bei jedem vierten Einbruch wurden die Täter schon bei der Tatausführung gestört. „Einbrecher wollen nicht entdeckt werden und vermeiden nach Möglichkeit jede Konfrontation“, kommentiert Schmidt. Hinzu kommt der Zeitfaktor. Die meisten Brüche dauern nicht länger als 20 Minuten. Vor allem für Gelegenheitstäter, die die größte Einbrechergruppe bilden, gilt dabei: „Kommt der Einbrecher nach zwei bis fünf Minuten nicht ans Ziel, bricht er die Tat in der Regel ab“, weiß Schmidt.

 

So sichern Sie sich ab

Wir stellen die wichtigsten Tipps für einen effektiven Einbruchschutz vor. Dabei spielt das eigene risikobewusste Verhalten eine große Rolle. Hinzu kommen sinnvoll aufeinander abgestimmte mechanische und elektronische Sicherungen.

Ein Haus muss nicht zu 100 Prozent sicher sein, sondern nur sicherer als das der Nachbarn. Diese etwas makabere Stammtischparole hat einen wahren Kern. Denn ein Dieb wird immer den Weg des geringsten Widerstands suchen und dort einbrechen, wo er sich eingeladen fühlt. Bei der Einbruchprävention geht es also vor allem darum, Langfingern möglichst wenig günstige Gelegenheiten zu bieten, ins Haus zu gelangen.

Gekippte Fenster oder Haustüren, die nur ins Schloss gezogen sind, sind regelrechte Einladungen an die Täter. „Aber auch leicht erreichbare und schlecht gesicherte Eingangs- oder Nebeneingangstüren, Fenster und Kellerlichtschächte sind für Einbrecher kein großes Problem“, weiß Kriminalrat Schmidt. Zudem bieten Hecken und Sträucher oder schlecht beleuchtete Hinterhöfe nicht nur den Bewohnern Sichtschutz, sondern auch Einbrechern.

 

Kostenlose Sicherheitsanalyse von der Polizei

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sich persönlich und individuell bei einer kriminalpolizeilichen Beratungsstelle kostenlos beraten. „Die Kollegen schauen sich die Situation vor Ort an und empfehlen passende Vorkehrungsmaßnahmen“, erklärt Schmidt das Prozedere. Die nächstgelegene Beratungsstelle der Polizei finden Interessierte unter: www.polizei-beratung.de/beratungsstellen

 

Was bedeutet „risikobewusstes Verhalten“ ?

Colourbox.de Aufmerksame Nachbarn sind der beste Schutz vor Einbrechern

„Die verhaltensorientierte Prävention richtet ihren Fokus auf die Reduktion der Tatgelegenheiten, auf eine Abschreckung durch Präsenz.“ So steht’s in einer polizeilichen Studie zur Wirksamkeit von Einbruchsprävention. Einfach ausgedrückt: Ahnt der Täter, dass das Haus für längere Zeit verlassen wurde, ist es für ihn verlockender einzusteigen. Überquellende Briefkästen, verwelkte Blumen oder ständig hochgezogene Rollläden signalisieren ihm eine Top-Gelegenheit. Daher lautet die Devise: Alles dran setzen, dass das Haus auch im Urlaub oder bei einem längeren Krankenhausaufenthalt für Fremde bewohnt wirkt.

 

Nachbarn einspannen

Das erreichen die Urlauber am effektivsten mit Hilfe von Verwandten oder Nachbarn. Man kann sie bitten, regelmäßig die Rollläden hoch- und runterzulassen, Blumen zu gießen oder die Mülltonnen rauszustellen. Unter Umständen findet sich sogar ein Geschwister- oder Elternteil, das während des Urlaubs als Housesitter einzieht. Fällt ein Helfer aus Fleisch und Blut aus, können die Bewohner auf elektrische Butler zurückgreifen. Zeitschaltuhren kümmern sich darum, dass zu bestimmten Zeiten Lampen im Haus angehen und bewegen die Jalousien.

Auch gibt es spezielle Lämpchen, die das Flimmern eines Fernsehers imitieren. Dass die Wohnung in solchen Fällen immer zur gleichen Zeit illuminiert wird, muss Einbrechern nicht zwangsläufig verraten, dass im Haus die Elektronik waltet und nicht der Bewohner. „Das würde nämlich voraussetzen, dass der Einbrecher das Objekt mehrere Tage beobachtet und das ist zumindest für Gelegenheitstäter zu viel Aufwand“, weiß Schmidt.

 

Vorkehrungen vor Abreise

Vor der Abreise sollten die Bewohner ihr Anwesen stets noch mal dahingehend überprüfen, ob mögliche Einstiegshilfen beiseite geschafft sind. Stehen Mülltonnen, Gartenmöbel oder gar Leitern direkt unter dem Balkon, freut sich der Dieb.

Etwas unbedacht gehen viele Urlauber auch mit ihrem sozialen Netzwerk um. „Gerade wer länger verreist, sollte das nicht unbedingt auf den Anrufbeantworter sprechen oder seine Umwelt per Abwesenheitsnotiz oder Facebook- und Twittereinträge darüber informieren“, meint Stephan Schweda, Sprecher vom GDV. „Vor allem ungeschützte Onlineprofile machen das Ausspähen leicht und bieten potenziellen Einbrechern häufig die Adresse der dann leeren Wohnung auf dem Silbertablett.

 

Fenster immer zumachen

Einbrecher warten aber nicht unbedingt auf den nächsten Urlaub. Auch wer nur kurz das Haus verlässt, muss auf ein paar Grundregeln achten: „Niemals die Fenster auf Kipp stellen, die Türe immer komplett verriegeln und auf keinen Fall Schlüssel in irgendwelchen Außenverstecken deponieren“, ermahnt Schweda.

 

Welche mechanischen Sperren sind sinnvoll?

Polizeiliche Kriminalprävention Köln Die besten Strategien gegen Einbrecher

„Eine solide mechanische Grundsicherung ist der wichtigste Baustein beim Einbruchschutz“, erklärt Präventionsexperte Harald Schmidt. Sie kann das Eigenheim in eine Trutzburg verwandeln, die der Täter nicht in Windeseile erstürmen kann. Zu den verschiedenen Vorkehrungen zählen moderne Sicherheitstüren ebenso wie abschließbare Fenstergriffe, Querriegelschlösser, Rollläden, sichere Schließzylinder, Aushebelsperren oder Gitter.

 

Schwachstellen Tür und Fenster

Wer neu baut oder umbaut, sollte von vornherein einer gepru?ften und zertifizierten einbruchhemmenden Eingangstür (nach DIN EN 1627, Widerstandsklasse RC 2) den Vorzug geben. „Hier ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion von Tu?rblatt, Zarge, Schloss und Beschlag keinen Schwachpunkt gibt“, sagt Schmidt. Kommen solche professionellen Sicherheitstüren nicht in Frage, kann der Hausbesitzer auch nachrüsten. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um eine widerstandsfähige Grundkonstruktion handelt. Zudem muss die Nachru?stung fu?r Tu?rblätter, Türrahmen, Türschlösser, Beschläge, Schließbleche und Zusatzsicherungen in ihrer Wirkung sinnvoll aufeinander abgestimmt sein. „Hier sollte man auf jeden Fall den Rat eines Fachbetriebs einholen“, rät Schmidt.

Nebeneingangstu?ren können wirkungsvoll zum Beispiel auch mit massiven Schubriegeln, starken Vorlegestangen aus Holz oder Profilstahl oder mit einem Querriegelschloss nachgeru?stet werden. Auch bei den Fenstern und Fensterbeschlägen sollten Bauherren darauf achten, dass sie einbruchhemmende Fenster und Fenstertüren (DIN EN 1627, Widerstandsklasse RC 2) verbauen. Zusätzlich sind abschließbare Fenstergriffe sinnvoll.

 

Bollwerk dank Eisengittern

„Gitter bieten einen guten Schutz, zum Beispiel für Fenster von Lagerräumen, Nebenräumen oder für Ver- beziehungsweise Entsorgungskanäle“, weiß der Sicherheitsexperte. Mit vorgesetzten Gittertüren können schwache Türen nachträglich gut gesichert werden. Sowohl feststehende Gitter als auch Gittertüren gibt es in geprüfter einbruchhemmender Ausführung.

 

Kellerschächte sichern

Eine feste Abdeckung ist auch bei Kellerschächten notwendig. Sind diese leicht zugänglich, können die Täter hier wunderbar ihr Werk unbeobachtet verrichten. „Wer neu baut, sollte betonierte Kellerlichtschächte einplanen, denn diese lassen sich besonders gut mechanisch sichern“, meint Schmidt. Eine effektive Sicherungsart seien grundsätzlich Rollenrostsicherungen oder Elemente aus stahlarmierten Glasbetonbausteinen. Kommt dies nicht in Frage, sollten die Gitterroste wenigstens mit speziellen Abhebsicherungen – am besten an allen vier Ecken – gesichert werden.

Sein Haus in dieser Art und Weise aufzurüsten, ist nicht ganz billig. Allein für Sicherheitstüren werden schnell mehrere Tausend Euro fällig. „Wer das Sicherheitsgesamtpaket nicht auf einmal finanziell stemmen kann, sollte entsprechend der individuellen Risikoanalyse aber auf jeden Fall die größten Schwachstellen am Haus schützen“, empfiehlt Schmidt.

 

Wie elektronische Anlagen zusätzlich helfen

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Verschiedene elektronische Hilfsmittel können den mechanischen Grundschutz ergänzen. Simpel aber effektiv sind etwa helle Scheinwerfer im Garten oder Eingangsbereich, die an Bewegungsmelder gekoppelt sind. Resultat: Der Täter erschrickt sich und zieht sich im besten Fall zurück, weil die Gefahr der Entdeckung gestiegen ist.

Solche Bewegungsmelder können auch Bestandteil einer intelligenten, vernetzten Hausteuerung sein. Solche modernen Smart-Home-Systeme bieten verschiedene Instrumente zur Einbruchprävention. Im „intelligenten Haus“ arbeitet eine zentrale Steuerungs- und Kommunikationseinheit, die verschiedene Sender und Sensoren im Haus untereinander verbindet. So lassen sich sämtliche Zugänge mit Hilfe von Tür- und Fenstersensoren und eben Bewegungsmeldern überwachen.

Das intelligente Haus meldet Bewegungen per SMS

„Die Geräte können Signale an andere Systemkomponenten wie etwa die Sirenen eines mit der Zentrale vernetzen Rauchmelders senden, um unerwünschte Besucher abzuschrecken“, erklärt Holger Wellner, Geschäftsbereichsleiter RWE SmartHome bei der RWE Effizienz GmbH, die solche Haussteuerungen entwickelt und vertreibt. Die Tür- und Fenstersensoren können außerdem per SMS oder Mail melden, wenn sie eine Bewegung erkannt haben oder Fenster oder Türen geöffnet wurden. „In Zukunft wird es sogar möglich sein, dass der Bewohner die Fenster per Handy schließen kann“, sagt Wellner. Die Fenster müssten dafür jedoch zusätzlich mit speziellen Öffnungssystemen ausgestattet sein.

Im Smart Home lässt sich darüber hinaus die Beleuchtung per Handy ein- und ausschalten und die Zeitschaltung von Lampen und Jalousien regeln. Ein komplettes Sicherheitspaket ist bei RWE Effizienz ab rund 270 Euro zu haben. Die Zentrale lässt sich einfach per Plug and Play installieren.

Videoüberwachungs- und Alarmanlagen on top

Schließlich gibt es das große Feld der Überfall- (ÜMA) beziehungsweise Einbruchmeldeanlagen (EMA). „Ihre Aufgabe ist es, einen Eindringling sicher zu erkennen und zu verraten“, sagt Polizist Schmidt. Das geschieht entweder, indem Sirenen ordentlich Lärm schlagen oder dadurch, dass die Anlage automatisch Signale an ein Wach- oder Sicherheitsunternehmen oder direkt an die Polizei meldet.

Der Kriminalbeamte empfiehlt, für Planung und Installation eines solchen Systems einen Fachmann zu konsultieren.

„Zwischen 5.000 und 20.000 Euro sollte sich ein Grundschutz mit fachmännischer Hilfe realisieren lassen“, so die Erfahrungswerte des Experten. Das ist zwar ein wesentlich höherer Preis als der, für den eine EMA zum Selbsteinbau im Baumarkt angeboten wird. „Wer aber einen Profi einschaltet, geht auf Nummer sicher, dass er einen passgenauen Schutz erhält, die Produkte wichtige Normen erfüllen und Fehlalarme weitgehend ausgeschlossen sind“, weiß Schmidt.

Von Kameraattrappen hält der Präventionsfachmann übrigens gar nichts. „Wenn Überwachung, dann richtig“, sagt er. Die meisten Attrappen seien sofort als solche erkennbar.

 

Wer unvorsichtig ist, gefährdet seinen Versicherungsschutz

Polizeiliche Kriminalprävention Wer Fenster gekippt lässt oder nicht richtig verriegelt, riskiert den Versicherungschutz

Kam der Einbrecher am Ende doch ans Ziel, sollten die Bewohner umgehend Kontakt zu ihrer Hausratversicherung aufnehmen. Sie erstattet den Opfern grundsätzlich die Wiederbeschaffungskosten für gestohlene Gegenstände und die Aufwendungen für Reparaturen beispielsweise von aufgebrochenen Fenstern.

Doch Vorsicht: „Wenn der Versicherte allzu leichtfertig mit der Sicherung seines Hauses umgehet, riskiert er Abzüge bei der Erstattung“, weiß GdV-Sprecher Stephan Schweda. Kann dem Policeninhaber ein Mitverschulden am Einbruch nachgewiesen werden, reduziert sich der Schadenersatz entsprechend dem Grad der eigenen Unvorsichtigkeit. Richtwerte gibt es nicht. „Es entscheidet der jeweilige Einzelfall, ob das Mitverschulden bei 20 oder gar 70 Prozent liegt“, sagt Schweda.

 

Gekippte Fenster sind K.O.-Kriterien

Relativ schwer wiegt nach Ansicht der Gerichte die eigene Schuld am Einbruch, wenn der Täter durch gekippte Fenster eingedrungen ist. Auch wenn das Türschloss keine Verblendung hat, der Zylinder weit übersteht oder nur zwei der montierten vier Schlösser verriegelt waren, muss der Versicherte Abzüge befürchten. „Sind Sicherungsmechanismen vorhanden, muss der Bewohner diese auch einsetzen“, fasst Schweda zusammen. Umgekehrt könne ihm aber grundsätzlich nicht zur Last gelegt werden, dass er nicht alle möglichen Sicherheitsvorrichtungen eingebaut hat.

 (Quelle: Focus Online)