Ist Deutschland ein Eldorado für Einbrecher ?

Polizei Pressestelle NRW: Mit dem Herbst beginnt die Hauptsaison der Einbrecher

In den eigenen vier Wänden sollte man sich sicher fühlen. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Gerade in der dunklen Jahreszeit häufen sich Einbrüche in Häuser und Wohnungen. 2015 hat es in Deutschland mehr Einbrüche gegeben als jemals zuvor. Wie Sie sich besser schützen können.

Wer es einmal erlebt hat, vergisst es nicht wieder: Aufgehebelte Fenster und Türen, durchsuchte und verwüstete Wohnräume und das Gefühl, dass fremde Personen in der eigenen Wäsche gewühlt haben. Die Zahl der Einbrüche in Deutschland steigt permanent an.

Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für das Bundesgebiet insgesamt 152.123 Fälle von Wohnungseinbruch aus. Der Anstieg zum Vorjahr betrug zwar nur 1,8 Prozent, seit 2006 gab es jedoch eine Steigerung von insgesamt 43,4 Prozent.

Nicht nur hochwertige Häuser stehen im Fokus der Einbrecher, sondern jede Wohn­immobilie ist heute gefährdet. Um solchen Risiken vorzubeugen sind angepasste Schutzmaßnahmen erforderlich, die nicht überzogen sind aber effektiven Schutz vor Dieben bieten.

Nur wenigste Einbrecher werden gefasst

Nicht mal jeder sechste Einbruch oder Versuch wird überhaupt aufgeklärt. Darüber hinaus haben die Täter oftmals leichtes Spiel. Denn in den meisten Häusern und Wohnungen fehlen Sicherungsmaßnahmen, z. B. eine Einbruchmeldeanlage (EMA). Nur zirka drei Prozent aller Haushalte sind elektronisch abgesichert, umfassende Schutzkonzepte fehlen oftmals gänzlich.

Einbrüche  kommen nicht nur während der Urlaubs­abwesenheit vor, sondern auch im Alltag, vor allem tagsüber. Man verlässt die Wohnung  für Einkäufe, kommt nach ein paar Stunden zurück und steht vor einem Chaos. Gerade Tages­-Wohnungs­einbrüche bewirken Fassungslosigkeit bei den Opfern. Man war doch nur kurz weg und hatte nicht damit gerechnet, dass etwas passieren könne. Doch das Vorgehen der Täter wird immer pro­fessioneller.

Polizei spricht von "osteuropäischen Banden"

Wer sind die Einbrecher? Es gibt eine ganze Reihe von Täter-Gruppierungen – vom Einzeltäter bis hin zu professionellen Banden. Immer häufiger beobachtet die Polizei das Agieren osteuropäischer Banden, die inzwischen sogar arbeitsteilig vorgehen. Hier werden die Bewohner und Ihre Wohnung zunächst gezielt ausgespäht. Nach der „Observationsphase“ übernimmt eine andere Einheit die Tatausführung. Die Erfolgsquote dieser Straftäter ist hoch, was die polizeiliche Kriminalstatistik ein­drucksvoll dokumentiert.

Allzu oft haben sich die Geschädigten auf die polizeiliche Gefahrenabwehr verlassen. Diese ist jedoch bei weitem nicht mehr ausreichend. Bei den meisten Opfern gab es keine vernünftige Sicherung von Fenstern und Türen und keine Alarmanlage. Oder es war zwar eine Alarmanlage vorhanden, die Technik war aber veraltet oder die Anwohner haben sie nicht regelmäßig genutzt.

Gerade ältere Anlagen sind oftmals in der Bedienung schwierig oder unübersichtlich gewesen. Sind die Hausbewohner in der Bedienung unsicher oder gibt es häufig Fehlalarme, werden sie meist gar nicht mehr genutzt.

Sicherheitskonzepte können Einbrüche verhindern

Viele Einbrüche könnten vermieden werden, wenn die Bewohner sich mit einem vernünftigen Sicherheitskonzept schützen. Bei modernen Anlagen ist dieses inzwischen mit geringster Einschränkung für den Wohnkomfort erreichbar. Sicherungs­komponenten passen sich heute optisch diskret an das bestehende Ambiente des Hauses an und sind einfach zu bedienen.

Für den mechanischen Schutz sollten mindestens einbruch­hemmende Türen und idealerweise auch Fenster mit Sicherheitsgläsern sowie eine funktionale Einbruch- oder Gefahren­meldeanlage vorhanden sein. Die Anlage sollte bei einer vom VdS (Vertrauen durch Sicherheit) anerkannten Notruf-Service-Leitstelle (NSL) aufgeschaltet sein, um bei einem Alarm sofort professionelle Hilfe zu erreichen.

Zum Standard gehören heute auch die Überwachung sensibler Bereiche mit intelligenter Videotechnik sowie die Integration von Sicherheitskomponenten in die Multimedia- und Haussteuerungstechnik (Audio, Video, Beleuchtung, Heizung und Lüftung).

Schwachstellen-Analyse zeigt Risiken auf

Um die Gefährdung für die Bewohner und die Gebäudeschwachpunkte genau zu ermitteln, sollte aber zuerst eine Schwachstellen­-Analyse durchgeführt werden. Diese beginnt mit der Frage, wo ein widerrechtliches Eindringen bereits detektiert wird. Am besten sollte dies schon an der Grundstücksgrenze geschehen und nicht erst an der „Gebäudeaußenhaut“ (Wände, Türen oder Fenster). Anschließend können die Möglichkeiten zur mechanischen und elektronischen Absicherung des Gebäudes geplant und die richtigen Partner für die Umsetzung ausgewählt werden.

Leider wird bei der Planung der Abläufe oft vergessen, auch darüber nachzudenken, wie es nach dem Auslösen der Alarmanlage weitergeht. Wer kommt dann zu Hilfe? Generell ist natürlich die Polizei „einsatzbereit“ und in der Lage, entsprechende Alarme zu verfolgen. Aber auch diese hat ihre Grenzen und muss nicht immer die einzige Lösung sein.

Eintreffen der Polizei kann bis zu einer Stunde dauern

Bei einem Einbruchalarm wird zuerst die Notruf-Service-Leitstelle verständigt. Diese ruft dann bei den Anwohnern an und klärt ab, ob es sich um einen tatsächlichen Alarm handelt. Wird niemand erreicht oder stellt es sich heraus, dass der Alarm „echt“ ist, wird die nächstgelegene Polizeistreife informiert. Diese fährt dann mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatzort.

Was passiert aber, wenn gerade keine Streife frei ist, oder wenn das Einsatzgebiet einer Polizeiwache so groß ist, dass die Anfahrt im ungünstigen Fall auch mal 30 bis 60 Minuten dauern kann?

Die Polizei ist mit vielen Sicherheitsaufgaben betraut, heute mehr denn je, und die Mannstärke einzelner Polizeidienststellen wird immer geringer. Aktuelle Beispiele zeigen, dass die Polizei den Bürgern nicht immer den Schutz gewähren kann, den wir eigentlich erwarten. Dazu kommt noch, dass die Polizei in der Regel keinen Schlüssel zum Gebäude hat und damit gar nicht ins Anwesen kommt.

Wird jemand in seiner Wohnung überfallen und die Täter verschanzen sich mit ihren Opfern in der Wohnung, wird die Polizei wieder unverrichteter Dinge abziehen, wenn von außen keine sichtbaren Einbruchsspuren erkennbar sind. Meist werden die Opfer von den Tätern bei solchen Überfällen gefesselt und geknebelt, so dass nichts nach außen dringt und die Täter in Ruhe Zeit haben, die Wohnung auszuräumen. Leider werden die gepeinigten Opfer dabei oftmals massiv malträtiert, damit sie die versteckten Wertgegenstände herausgeben.

Private Wachdienste bieten eine Alternative

Besonders gefährdete Haushalte beauftragen deshalb oftmals zusätzlich noch einen Wachdienst, bei dem ein Schlüssel zum Anwesen hinterlegt ist. Dieser ist nicht mit Tausend anderen Schutzmaßnahmen betraut, sondern konzentriert sich auf den Schutz von Objekten, und kennt bei einem Alarm auch bereits das Anwesen sowie die Situation vor Ort. So kann schnelle und umfassende Intervention garantiert werden.

Bei erhöhter Gefährdung sollte es darüber hinaus noch einen Rückzugsraum im Anwesen geben, regelmäßige Trainings zur Sensibilisierung für Familien­mitglieder und Hausangestellte durchgeführt und spezielle mobile Notrufsender angeschafft werden. All dies sind heute Maßnahmen, die einen Einbruch durch organisierte Banden oder gar den Übergriff auf die Familie im eigenen Haus verhindern können.

Gerade in den eigenen vier Wänden muss man sich uneingeschränkt sicher fühlen können. Das ist ähnlich wie bei einer Versicherung. Auch hier muss man sich mit den angebotenen Schutzmaßnahmen einmal vernünftig auseinandersetzen, um dann beruhigt zu sein und ein gutes Gefühl zu haben.

(Quelle: Focus Online)